Partizipative Prozesse im Kontext kolonialer Erinnerungskultur

Heidelberg – Allemagne

“Partizipative Prozesse im Kontext kolonialer Erinnerungskultur” Ein Online-Seminar in Kooperation mit der UNESCO am 16. April 2021

Das Online-Seminar “Partizipative Prozesse im Kontext kolonialer Erinnerungskultur”, knüpft an Diskurse über den lokalen Umgang mit kolonialem Erbe und Kontinuitäten kolonialer Denkweisen an. Die Mobilisierung der Black Lives Matter Bewegung führte zu einer neuen Aufmerksamkeit für die Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe im deutschsprachigen Raum. Welche Verantwortung tragen einstige Kolonialmächte für Asymmetrien in der heutigen Weltordnung? Inwieweit setzen sich koloniale Denkweisen bis heute in Rassismus, der bis heute unsere Gesellschaften strukturiert, fort? Auf kommunaler Ebene sind es insbesondere BIPOC Strukturen und andere zivilgesellschaftliche Akteur*innen, die sich mit dem kolonialem Erbe der eigenen Stadt beschäftigen und die fest in der Gesellschaft verankerte Kontinuitäten kolonialer Logik herausfordern. 

Die Anerkennung der Kolonialvergangenheit als Unrechtssystem, die Entwicklung von angemessenen Erinnerungsformaten, sowie die Bekämpfung rassistischer Denkweisen und Praktiken heute sind gesellschaftliche Querschnittsaufgaben. Öffentliche und kulturelle Institutionen müssen sich ihrer historischen Verantwortung stellen und ihre Kolonialvergangenheit sowie institutionellen Rassismus aufarbeiten. Für die Etablierung einer Erinnerungskultur kolonialen Unrechts ist es zentral, die Nachfahren Kolonialisierter und heute von Rassismus betroffene Menschen, deren Lebensrealität noch immer von kolonialen Kontinuitäten geprägt ist, als Expert*innen aktiv und gleichberechtigt in die Planung und Durchführung von Projekten zur kolonialen Erinnerung einzubinden. Die Einbindung dieser vielstimmigen Narrative geht mit einer Reflexion institutioneller Deutungshoheit und einer Öffnung von Kultur- und Bildungseinrichtungen für partizipative Prozesse im Kontext kolonialer Erinnerung einher.

Die Fragen “Wie können Institutionen Prozesse kolonialer Aufarbeitung partizipativ gestalten?” und “Wie können von Kolonialismus und Rassismus betroffene Akteur*innen und Organisationen der Zivilgesellschaft Mitbestimmung einfordern und mit Praktiken der Fremddarstellung brechen?” stehen im Zentrum der Veranstaltung. Vertreter*innen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Bildung und städtischer Verwaltung diskutieren, wie eine öffentliche Erinnerung an Kolonialismus gemeinsam gestaltet werden kann. In praxisorientierten Workshop-Sitzungen werden Möglichkeiten zur Einbindung und Mitbestimmung von Expert*innen aus zivilgesellschaftlichen Organisationen, die von Rassismus betroffen sind, in der Umsetzung stadtweiter kolonialer Erinnerungskonzepte reflektiert und gemeinsam Handlungsoptionen erarbeitet. Das UNESCO Online-Seminar “Partizipative Prozesse im Kontext kolonialer Erinnerungskultur” liefert Impulse zur Sichtbarmachung lokaler Kolonialgeschichte und vermittelt Strategien zur gesamtgesellschaftlichen Aufarbeitung der Kolonialvergangenheit und kolonialer Kontinuitäten aus Perspektive öffentlicher Institutionen und zivilgesellschaftlicher Akteur*innen. 

Programm (a.i.):

15:00 Uhr Eröffnung des UNESCO Online-Seminars 

  • Theresia Bauer (Ministerin des Landes Baden-Württemberg für Wissenschaft, Forschung und Kunst)
  • Stefanie Jansen (Bürgermeisterin für Soziales, Bildung, Familie und Chancengleichheit, Stadt Heidelberg)
  • Magnus Magnusson (Director, Partnerships and Outreach, Sector for Social and Human Sciences, UNESCO)

  • Danijel Cubelic (Vize-Vorsitzender Europäische Städtekoalition gegen Rassismus e.V.)

15:15 Uhr - 16:15 Uhr Impulsvorträge und Fragerunde Tahir Della (Decolonize Berlin),  Nicola Humpert (Senatsverwaltung Berlin), Esther Utjiua Muinjangue (Vorstand Ovaherero Genocide Convention), Ida Hoffmann (Vorstand Nama Genocide Technical Committee), Dr. Caroline Authaler (Universität Bielefeld), Dr. Omer Lemerre Tadaha (Universität Ngaoundere-Kamerun)

16:15 Uhr Pause 

16:30 Uhr - 18:30 Uhr Workshops

Partizipation gestalten!  mit Josephine Apraku (Institut für diskriminierungfreie Bildung) 

Partizipation einfordern!  mit Tahir Della (Decolonize Berlin) und Evein Obulor (Antidiskriminierungsbeauftragte mit Schwerpunkt Rassismus, Stadt Heidelberg)

18:30 Uhr Paneldiskussion “Verantwortung und koloniales Erbe in der Stadt -  Wege für eine gesamtgesellschaftliche Aufarbeitung kolonialer Strukturen”

Moderation: Nadja Ofuatey-Alazard (Dekoloniale - Erinnerungskultur in der Stadt)

Es diskutieren: Tahir Della (Decolonize Berlin), Dr. Caroline Authaler (Universität Bielefeld),  Nicola Humpert (Senatsverwaltung Berlin) und Puneh Henning (Historisches Museum Frankfurt)

Moderation des UNESCO Online-Seminars:  Evein Obulor (Antidiskriminierungsbeauftragte mit Schwerpunkt Rassismus, Stadt Heidelberg)

Anmeldung bis zum 15. April per Email an antidiskriminierung@heidelberg.de 

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